Sperrung der Zeller Brücke belastet weiterhin Großteil der Unternehmen

Drei Viertel der Unternehmen im Einzugsgebiet der B45 im Odenwald leiden weiterhin unter der Sperrung der Zeller Brücke. Die Situation für Pendler hat sich jedoch nach der Wiederinbetriebnahme der Odenwaldbahn verbessert.

Darmstadt. Drei Viertel der Unternehmen im Einzugsgebiet der B45 im Odenwald leiden weiterhin unter der Sperrung der Zeller Brücke. Die Situation für Pendler hat sich jedoch nach der Wiederinbetriebnahme der Odenwaldbahn verbessert. Das ergeben die Antworten von über 200 Unternehmen auf eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar, der Handwerkskammer (HWK) Frankfurt-Rhein-Main und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) Darmstadt und Südhessen. 

Kurz nach der Sperrung der Zeller Brücke wurden ansässige Unternehmen bereits zu den Auswirkungen befragt. Die aktuelle Umfrage bündelt erstmals die Antworten von IHK-Mitglieds­unternehmen und Handwerksbetrieben und liefert damit – knapp ein Jahr später – ein umfassendes, aktuelles Bild der Effekte auf die regionale Wirtschaft. 

In der Befragung berichten 78 Prozent der Unternehmen, von der Sperrung der Zeller Brücke betroffen zu sein (Umfragen 2025: IHK 73 Prozent, HWK 74 Prozent). 36 Prozent der Unternehmen stufen die Auswirkungen sogar als stark oder sehr stark ein; im Vorjahr gaben dies gegenüber der IHK 45 Prozent der Betriebe an, gegenüber der HWK 52 Prozent.

„Die Wiederinbetriebnahme der Odenwaldbahn hat vermutlich dazu beigetragen, die Auswirkungen auf die Pendler etwas abzumildern. Auch wenn die Arbeitgeberattraktivität weiterhin unter der Sperrung leidet, hat sich die Situation für Pendlerinnen und Pendler im Vergleich zur Situation unmittelbar nach der Sperrung von Brücke und Bahnstrecke insgesamt verbessert“, sagt Armin Bayer, Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. So verlängern sich die Wegzeiten der Mitarbeitenden bei rund einem Drittel (35 Prozent) der Unternehmen um mehr als 15 Minuten pro Strecke. Im Vorjahr gaben dies in der IHK-Umfrage noch drei Viertel der Betriebe (75 Prozent) an, im Handwerk waren es 81 Prozent. „Das zeigt, wie wichtig ein Mix aus Verkehrsmitteln und gut funktionierende Umleitungsstrecken für die Resilienz der Verkehrsinfrastruktur sind“, so Armin Bayer weiter.


Die finanziellen Effekte bleiben in Summe schwer einzuschätzen; die Antworten der Unternehmen gehen weit auseinander. So berichten einige Betriebe von keinen Umsatzeffekten. Andere nennen dagegen Umsatzeinbußen von bis zu 10.000 Euro pro Monat durch die schlechtere Erreichbarkeit für Kunden und durch die Kosten für längere Anfahrtszeiten, die beispielsweise bei Monteurstätigkeiten entstehen. Bei den Mehrkosten für Logistik reicht die Spanne ähnlich weit. 


„Der Großteil der ansässigen Unternehmen wird weiterhin durch die Brückensperrung belastet“, sagt Dr. Daniel Theobald, Geschäftsbereichsleiter Unternehmen und Standort bei der IHK Darmstadt. „Auch wenn sich für die finanziellen Effekte kein scharfes Bild zeichnen lässt: Die Belastungen sind im Einzelfall beachtlich. Der straffe Zeitplan für den Neubau der Brücke ist daher unbedingt zu begrüßen.“


Die IHK, HWK und VhU fordern, Lehren aus dem Beispiel der Zeller Brücke zu ziehen. „Nicht neben jeder maroden Straßenbrücke gibt es eine einfache Umleitungsstrecke oder parallel verlaufende Schienenanbindung“, sagt Dirk Widuch, Geschäftsführer der VhU-Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen. „Umso wichtiger ist es, bei sanierungsbedürftigen Brücken frühzeitig Vorbereitungen für das Worst-Case-Szenario zu treffen.“ Wenn sich beispielsweise abzeichne, dass eine Brücke in Zukunft gesperrt werden müsse, und es keine Ausweichrouten gebe, solle ein vollseitiger Ersatzneubau, also eine Brücke neben der bestehenden Brücke, in Betracht gezogen werden. Zum anderen sollten die Prozesse zur Realisierung von Ersatzneubauten beschleunigt werden, von der politischen Entscheidung über das Genehmigungsverfahren bis hin zur Vergabe. „Die schnellen Prozesse bei der Zeller Brücke müssen vom Sonderfall zum neuen Standard werden“, fordert Widuch.


An der Umfrage haben sich 210 Betriebe beteiligt. Befragt wurden Betriebe der am meisten betroffenen Gemeinden entlang der B45 (Groß-Umstadt, Otzberg, Bad-König, Breuberg, Brombachtal, Erbach, Höchst, Michelstadt, Mossautal, Oberzent).

Ansprechpartnerin

Fabienne Bardonner

Pressesprecherin und Kommunikation