HR-Forum

Kind, Familie und Pflege im Fokus

Wie lassen sich Beruf, Familie und Pflege miteinander vereinbaren? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Frühjahrs-HR-Forum im Haus der Wirtschaft Südhessen. Unter dem Motto „Rund um Kind und Familie“ kamen rund 30 Personalerinnen und Personaler aus den Mitgliedsunternehmen zusammen – der jüngste Teilnehmer war gerade einmal vier Monate alt.

Unsere Juristinnen Victoria Avenarius und Stefanie Engler gaben einen praxisnahen Überblick über aktuelle arbeitsrechtliche Regelungen und deren Umsetzung im Unternehmensalltag. Im Mittelpunkt standen die Themen Mutterschutz – einschließlich der gesetzlichen Änderungen 2025 –, Elternzeit, Teilzeit während und nach der Elternzeit sowie Pflegezeit. Zahlreiche Praxisbeispiele und der intensive Austausch mit den Teilnehmenden machten deutlich, wie vielfältig die Fragestellungen in der betrieblichen Praxis sind.

Ergänzt wurde das Programm durch drei Workshops zu personalstrategischen Fragestellungen („Benchmark“) sowie Case Studies aus dem HR-Alltag. Dabei standen konkrete Herausforderungen und Lösungsansätze im Mittelpunkt, die von den Teilnehmenden gemeinsam diskutiert wurden.

Pflege wird zum zentralen HR-Thema
Eine Erkenntnis zog sich wie ein roter Faden durch den Nachmittag: Der Wunsch nach Teilzeit wird immer häufiger durch die Pflege naher Angehöriger begründet – ein Thema, das noch vor zehn Jahren deutlich seltener im Fokus stand.

Als Ursachen nannten die Teilnehmenden insbesondere die unzureichende pflegerische Infrastruktur, das zunehmend spätere Elterndasein und die daraus resultierende Doppelbelastung in einer Lebensphase, in der Beruf, Kinder und die Pflege älterer Angehöriger gleichzeitig bewältigt werden müssen. Hinzu kommt, dass die vergleichsweise guten Verdienstmöglichkeiten im Rhein-Main-Gebiet vielen Beschäftigten die finanzielle Möglichkeit eröffnen, ihre Arbeitszeit zugunsten familiärer Pflegeaufgaben zu reduzieren.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Ergebnissen einer Allensbach-Umfrage vom Februar 2026 im Rahmen der „Lifestyle-Diskussion“ wider: 90 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gaben an, sich einvernehmlich mit ihrem Arbeitgeber auf ein Teilzeitmodell geeinigt zu haben. Acht Prozent zeigten sich unentschieden, lediglich zwei Prozent berichteten, dass ihr Arbeitgeber eine Teilzeitlösung abgelehnt habe.

Auch im HR-Forum wurde die Frage diskutiert, ob Teilzeit eher Risiko oder Chance ist. Rund 80 Prozent der Teilnehmenden ordneten sich dabei im Bereich „Unentschieden“ ein.

Einigkeit bestand jedoch in einem Punkt: HR-Abteilungen erkennen zunehmend den Wert der Kompetenzen, die Mitarbeitende durch Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen erwerben. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sind kreative und flexible Lösungen gefragt. Die Personalverantwortlichen verstehen sich dabei weniger als Verwalter von Regelungen, sondern vielmehr als Möglichmacher, die gemeinsam mit Beschäftigten tragfähige Wege entwickeln.