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Unternehmerverband Südhessen e.V.

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„Mehr Wirtschaft wagen!“ - Gute Gründe für Wachstum und Zukunftsperspektiven in Südhessen im Jahr 2018

03.01.2018

Darmstadt. „Für die südhessische Wirtschaft sehen wir 2018 zahlreiche Chancen. Gleichzeitig stehen wir vor komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen.
Die aktuelle Geschäftslage und Beschäftigungsentwicklung ist bei der Mehrheit unserer Mitgliedsunternehmen gut. Unsere aktuelle Herbstwirtschaftsumfrage in der Metall- und Elektroindustrie hat ergeben, dass fast alle Unternehmen von einer gleichbleibenden oder sogar leicht verbesserten konjunkturellen Entwicklung im ersten Halbjahr 2018 ausgehen. Die südhessische Arbeitslosenquote lag im November 2017 bei 4,5 Prozent – eine der besten Novemberquoten seit der deutschen Wiedervereinigung. Der Arbeitsmarkt eilt von Rekord zu Rekord und der Fachkräftebedarf steigt kontinuierlich. Eine wachsende Wirtschaft und eine rasant fortschreitende Digitalisierung sowie der demografische Wandel werden den Bedarf an gut ausgebildeten Nachwuchskräften, insbesondere im MINT-Bereich, weiter verstärken. Aktuell gehen wir deutschlandweit von ca. 1,5 Mio. fehlenden Nachwuchs- und Fachkräften bereits zum Jahr 2020 aus“, sagte Dirk Widuch, Geschäftsführer der Unternehmerverbände Südhessen, zum Jahreswechsel 2017/2018.

Der Wirtschaftsstandort Südhessen biete vielfältige Wachstums- und Entwicklungspotenziale. Die Politik müsse jedoch die notwendigen Rahmenbedingungen für eine konstante und robuste wirtschaftliche Entwicklung durch reformorientiertes Handeln schaffen.
„Die Wissenschaftsstadt Darmstadt nimmt im Zukunftsranking von 70 kreisfreien Städten durchweg Spitzenpositionen ein. Die Auszeichnung Darmstadts als ‚digitale Stadt‘ steigert die Attraktivität und Lebensqualität des Standorts. Forschung und Entwicklung, Innovationen und Gründergeist verbunden mit dem südhessischen Industrie- und Dienstleistungsmix, bieten ideale Grundvoraussetzungen für eine zukunftsweisende Bildungs- und Digitalisierungsstrategie mit nachhaltigen Investitionen in der Region.
Diese Entwicklung stellt uns aber auch vor neue komplexe Herausforderungen. Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sind auf ein ausreichendes Angebot an Gewerbeflächen, einen Ausbau der Infrastruktur und ein intelligentes Verkehrswegesystem angewiesen. Menschen, die in der Stadt arbeiten, lernen und lehren müssen ein bedarfsgerechtes Angebot von bezahlbarem Wohnraum und auch moderne Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen in der Stadt und im Umland vorfinden. Wenn es uns jetzt gelingt, diese Rahmenbedingungen für eine vernetzte Wirtschaft mit international wettbewerbsfähigen Akteuren und einem flächendeckenden Ausbau der digitalen Infrastruktur zu gewährleisten, dann werden wir auch zukünftig Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand in Südhessen sichern sowie Darmstadt als ‚Mittelpunkt des europäischen Silicon Valley‘ weiter positionieren.
Eine erfolgreiche Transformation zur Industrie 4.0 und eine progressive Digitalisierungsstrategie benötigen große Bildungsanstrengungen sowie Investitionen in analoge und digitale Strukturmaßnahmen. Dies beinhaltet digitale Weiterbildungsangebote von der frühkindlichen Erziehung, über eine Digitalisierungsoffensive an Schulen und Universitäten sowie lebenslange betriebsnahe Weiterbildungsmöglichkeiten. Der Umgang mit neuen Medien und Technologien ist Chance und Herausforderung zugleich. Notwendig sind Investitionen in Menschen, Maschinen und Strukturmaßnahmen als gesamtgesellschaftliches Projekt.
Wir benötigen einen beschleunigten Ausbau von mobilen Breitbandnetzen, flächendeckender Glasfaserversorgung im ländlichen Raum und eine intelligente Energiepolitik mit bezahlbaren Strompreisen ohne zusätzliche Kostensteigerung. Letzteres ist auch vor dem Hintergrund einer Entwicklung hin zu mehr E-Mobilität und anderen alternativen Antriebstechnologien geboten. Nur so gelingt es uns bewährte Technologien zukunftsorientiert weiterzuentwickeln sowie gleichzeitig neue technische Innovationen zu etablieren“, so Widuch.

„Tarifrunden in Industrie- und Dienstleistungsbranchen werden 2018 über Entgelt und die Politik über die zukünftige Ausgestaltung des Arbeitsrechts entscheiden. Dies wird die Zukunft der Arbeitswelt stark beeinflussen. Eine Anpassung arbeitsrechtlicher Vorschriften an das digitale Zeitalter ist dringend geboten. Vernetzte Wertschöpfungsprozesse und globale Arbeitsabläufe erfordern ein flexibles Arbeitszeitgesetz, sodass das wöchentliche Arbeitszeitvolumen bedarfsorientiert verteilt werden kann. Mitarbeiter wollen flexibler arbeiten, etwa an einem Tag schon am frühen Nachmittag Schluss machen, um etwas mit den Kindern zu unternehmen, und dafür an einem anderen Tag abends länger arbeiten. Wir glauben, dass es in zwei Richtungen gehen muss. Es sollte auch die Möglichkeit geben, die Arbeitszeit individuell zu verlängern, wenn der Mitarbeiter das möchte.
Die Forderung nach einer 28-Stunden-Woche mit einem Entgeltanspruch für nicht geleistete Arbeit lehnen wir ab, da sie den Fachkräftemangel unverantwortlich verstärkt und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stark beeinträchtigt.
Die hessische Landtagswahl 2018 und die schwierige Regierungsbildung nach der Bundestagswahl werden uns begleiten und nach neuen Antworten verlangen. Die Deckelung der Sozialabgaben bei 40 Prozent ist ebenso notwendig wie ein nachhaltiger Bürokratieabbau, der konsequente Eintritt für freien Welthandel und ein Europa der Rechtssicherheit mit finanzieller Stabilität und geregelter Einwanderung.
Um die Bindungskräfte unserer Gesellschaft in der Region, in Deutschland und in Europa zu stärken und das gemeinsame Innovationspotenzial freizusetzen ist es notwendig, dass die Deutungshoheit über diese wichtigen Entscheidungen nicht den Populisten und Abschottungsbefürwortern in den Parlamenten überlassen wird. Wir müssen raus aus der Schweigespirale und uns noch mehr für die Werte einer offenen Gesellschaft engagieren. Dann werden auch die Perspektiven für unsere starke und weltoffene Region im Jahr 2018 und darüber hinaus gut sein“, sagte Dirk Widuch abschließend.

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Reinhold Stämmler

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