Menü

Unternehmerverband Südhessen e.V.

Haus der Wirtschaft Südhessen
Rheinstraße 60
64283 Darmstadt

Postfach 11 01 64
64216 Darmstadt

06151 2985-0
pr.darmstadt@remove.this.uvsh.de

Hier finden Sie eine Anfahrtsbeschreibung samt Skizze: PDF Download

„Die Bahn hat großes Potential, aber auch einen ebenso großen Optimierungsbedarf.“

Ein Bahnfahrer berichtet.

27.02.2020

Dr. Jürgen Born ist Geschäftsführer der Spatial Business Integration GmbH und Vorstandsmitglied im Unternehmerverband Südhessen e.V.

Die VhU-Stellungnahme zur geplanten Verringerung der Fahrspuren der Zeughausstraße in Darmstadt von drei auf zwei für den motorisierten Individualverkehr wurde auf Facebook kontrovers diskutiert. Wir sagen: Der Umstieg von PKW auf alternative Verkehrsmittel wie z.B. Bus und Bahn darf nicht durch Verdrängung erzwungen werden. Vielmehr müssen diese Alternativen attraktiv genug sein, damit ein Umstieg freiwillig in Betracht gezogen wird. Auch überregional.

Wie ist die Situation für umsteigewillige Reisende heute?
Unser Vorstandsmitglied, Dr. Jürgen Born fährt regelmäßig Bahn. Wir haben mit ihm über seine jüngste Erfahrung gesprochen.

VhU:
Herr Dr. Born, Sie sind regelmäßig auf der Schiene unterwegs. Erzählen Sie uns von Ihrer letzten Bahnfahrt.

Dr. Born:
Vor wenigen Tagen bin ich für einen Geschäftstermin nach München gereist. Der Termin war erfolgreich. Die An- und noch mehr die Abreise eine Herausforderung.

VhU:
Inwiefern?

Dr. Born:
Ich fahre aus Umweltgründen wenn immer möglich mit der Bahn. Die obligatorischen fünfzehn Minuten Verspätung auf der Fahrt nach München hatte ich daher schon eingeplant. Ärgerlich war, dass in den Wagons die Anzeige der Sitzplatzreservierungen ausgefallen war. Reisende ohne Reservierung saßen somit, ohne es zu wissen, auf reservierten Plätzen. Das Bäumchen wechsel dich Spiel, das dadurch entstand, zog sich fast bis München. So eine Situation ist zwar eine gute Gelegenheit mit anderen Reisenden ins Gespräch zu kommen, so habe ich seinerzeit meine Frau kennengelernt, doch nun bin ich glücklich vergeben und hätte die Zeit bei dieser Fahrt viel lieber zum Arbeiten genutzt (lacht).

VhU:
Bringen Sie solche Erfahrungen aus der Ruhe?

Dr. Born:
Nicht mehr. Wer sich bewusst dafür entscheidet Bahn zu fahren, muss mit solchen kleineren Unwägbarkeiten umgehen können. Die Rückfahrt jedoch war eine besondere Erfahrung, die mich an die Grenzen meiner Geduld brachte.

VhU:
Jetzt machen Sie mich neugierig.

Dr. Born:
Das Positive vorneweg: Die U-Bahn in München war pünktlich, mit der Sitzplatzreservierung im Intercity gab es keine Probleme und ich bin fast pünktlich in Mannheim eingetroffen. Leider ist mir das Glück danach nicht treu geblieben. Mein Anschlusszug wurde als pünktlich angezeigt; allerdings auch noch zehn Minuten nach der eigentlichen Abfahrtszeit. Plötzlich verschwand der Zug einfach von der Anzeigetafel. Auf eine Durchsage haben meine Mitreisenden und ich vergeblich gewartet. Auf dem Onlineportal der Bahn war der Zug nach wie vor mit geringer Verspätung, aber fahrend, angezeigt. Erst auf Nachfrage am Infopoint habe ich erfahren, dass er ausgefallen war. Da war es schon spät am Abend. Die Lounge am Bahnhof war ebenso geschlossen wie alle Bistros. Einzig ein Fastfood-Laden hatte noch geöffnet. Bahnhof-Aufenthalte am späten Abend im Winter machen wenig Freude.

VhU:
Wie sind Sie an diesem Abend nachhause gekommen?

Dr. Born:
Es gab noch einen Folgezug, der auch tatsächlich fuhr. Allerdings waren in diesem Zug alle Türen zur 1. Klasse verschlossen. Zugpersonal zur Klärung der Situation war nicht zu finden. In solchen Momenten frage ich mich schon, wozu ich den Aufpreis für ein 1. Klasse Ticket zahle. Aber immerhin bin ich zuhause angekommen. Der ausgefallene Zug war zu diesem Zeitpunkt übrigens immer noch im Onlineportal angezeigt und angeblich mit nur geringer Verspätung auf dem Weg nach Frankfurt.

VhU:
Werden Sie aufgrund dieser Erfahrung weniger Bahn fahren?

Dr. Born:
Ich bin Unternehmer. Ich kann mir meinen Kunden gegenüber weder eine solch schlechte Qualität leisten wie die Deutsche Bahn an diesem Tag, noch den mangelhaften Service.
Dennoch werde ich auch in Zukunft Bahn fahren. Mit unseren Unternehmen stellen wir der Landwirtschaft Satellitenbilder für ihre Arbeit zur Verfügung, z.B. zur Erfassung von Dürre- oder Hagelschäden. Das heißt, ich sehe durch Satellitenbilder täglich die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wälder und Wiesen. Daher ist mir eine umweltfreundliche Fortbewegung wichtig. Aber sowohl Qualität als auch Service bei der Bahn müssen sich steigern. Und um die Bahn als zuverlässige Alternative zum PKW zu etablieren, muss die Infrastruktur ausgebaut werden, auch in Bezug auf die Anbindung ländlicher Regionen.

VhU:
Wo liegen dort die Mängel?

Dr. Born:
Wer auf dem Land wohnt, benötigt entweder eine gute und passend zum Zugverkehr getaktete Busanbindung oder ausreichend Parkmöglichkeiten an den Bahnhöfen. Hier besteht Ausbaubedarf. Ich fahre zum Beispiel immer ab Bickenbach, weil ich dort umliegend zum Bahnhof eine Parkmöglichkeit finde. Das Parkhaus am Bahnhof in Bensheim ist hingegen in der Regel voll ausgelastet und in der Nähe des Bahnhofs an unserem Firmensitz in Darmstadt-Eberstadt gibt es keine Parkmöglichkeiten. Der Nachteil: Am Bahnhof in Bickenbach halten nur Regionalbahnen, was die Reisemöglichkeiten zum nächsten ICE-Bahnhof einschränkt..
Dafür gibt es dort immerhin zwei Parkplätze mit Lademöglichkeit für Elektroautos. Für mich, positiv, denn ich fahre seit 2012 elektrisch. Es müsste allerdings noch viel mehr dieser Möglichkeiten geben, damit in Zukunft umweltfreundliche Verkehrsmittel noch stärker miteinander verzahnt werden.

VhU:
Ihr Reisebericht ist nicht gerade Werbung für den Umstieg von der Straße auf die Schiene. Haben Sie für umsteigewillige Reisende zum Abschluss einige motivierende Worte?

Dr. Born:
Wie schon gesagt, ich fahre aus Überzeugung Bahn und lasse mich auch nicht unterkriegen. Die Bahn hat großes Potenzial und die Entwicklung der Fahrgastzahlen zeigt, dass ich mit der Meinung nicht alleine bin. Die Frage ist nur, wie lange die Reisenden sich geduldig zeigen. Es ist längst überfällig, dass die Bahn umfangreich investiert, um ihre Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Dann kann sie zu einer echten Alternative zum PKW werden.

Zurück zur Übersicht

Aktuelles

Ihre Ansprechpartnerin

Fabienne Bardonner, B.Sc.

Leiterin Kommunikation und Gesellschaftspolitik

06151 2985-42
fbardonner@remove.this.uvsh.de