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Die digitale Transformation – auf dem Weg in die Zukunft

Lernen 4.0 + Arbeiten 4.0 = Zukunft 4.0

Heute schon finden wir digitale Helferlein überall in unserem Alltag. Backöfen wissen, welche Programme sie für welches Rezept abarbeiten müssen, Autos parken selbstständig ein, bei Sonneneinstrahlung gehen die Jalousien nach unten, beim Paketlieferanten sieht man in der App, wann das Paket kommt, kann es umleiten oder an einem anderen Ort ablegen lassen. Das sind nur einige Beispiele, die wir aus unserem Alltag kennen.

Wahlen werden über Social Media beeinflusst – Politik informiert über diese Kanäle. Blogger werden gezielt zum Content Marketing im Netz eingesetzt. Unsere Medienlandschaft verändert sich, Meinungsbildung und Einflussmöglichkeiten verändern sich.

In der Industrie reden wir von Industrie 4.0. Es gibt digitale Clones in virtuellen Produktionssystemen, die den Herstellungsweg von physikalischen Produkten vorgeben, oder Remote Services, wie auf dem Bild veranschaulicht. Es ist unbestritten, dass die digitale Transformation in vollem Gange ist.

Bei Bosch Rexroth in Erbach steht das Internet der Dinge oder Internet of Things (IoT) ganz oben auf der Agenda. Wir entwickeln und produzieren Industrie-PCs, Steuerungstechnik für die Industrie und IoT-Gateways. Software und IT gehören zum Arbeitsalltag, nicht nur in der Entwicklung, auch im Produktionsbereich. Wir sammeln Daten im Sinne von „Big Data“ und „Data Mining“ und nutzen die gesammelten Informationen für Vorhersagen, um Fehler zu erkennen und zu beseitigen, bevor sie auftreten. Ähnlich passiert das auch bei Google-Eingaben. Wie von Geisterhand weiß Google, was wir tippen wollen.

Wir verwenden Online-Trainings (Web-Based-Trainings, WBT), die individualisiert auf den Lernfortschritt Rücksicht nehmen, die unternehmensweit, aber auch spezifisch eingesetzt werden.

Auch die Arbeitswelt verändert sich: von Weisung und Kontrolle hin zu agilem Arbeiten. Das bedeutet, dass unsere Mitarbeiter selbstorganisiert und freier gestalterisch arbeiten. Gut ausgebildete Mitarbeiter arbeiten zusammen, auch interdisziplinär, greifen auf gemeinsame Ressourcen zu, haben Kommunikationsplattformen und stellen ihre Ergebnisse und Erkenntnisse der Community zur Verfügung. Ebenso erfährt man dort Unterstützung von Experten.

Quelle: H. Arnold (2016). Wir sind Chef. Wie eine unsichtbare Revolution Unternehmen verändert. Haufe Verlag, Freiburg
Quelle: ICILS, ausgewählte Länder

Wie sieht es mit der digitalen Bildung aus?
Unser Alltag, unser Leben, unser Umfeld, unsere Beziehungen sind digital geprägt. Dafür benötigt man unabdingbar das IoT- und IT-Grundwissen. Was sollte vermittelt werden? Wie kann das IoT dabei helfen? Wie könnte das passieren?

Digitale Bildung mittels OER (Open Educational Resources)
Wenn man googelt, stößt man unweigerlich auf die Abkürzung OER. Was sind OER? – Welche Qualität haben OER? – Wo findet man OER im Netz?

Hierzu findet man Antworten mit (Video-)Beiträgen bei der Bundeszentrale für politische Bildung.
http://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/oer-material-fuer-alle/

In unseren Betrieben nutzen wir „digitale Medien“ in unserem Intranet, das auch von außen, selbstverständlich mit adäquaten Sicherheitsmechanismen, zugänglich ist. Wir haben Communities zu Themengebieten, die sich bereichsübergreifend austauschen. Interdisziplinäres Forschen, Entwickeln und Arbeiten wird immer wichtiger. Unser Wissenszuwachs ist so rasant, dass es schon heute kaum noch möglich ist, einzelne, klassische Disziplinen umfänglich zu überblicken. Wer von Anfang an agiles, interdisziplinäres Arbeiten gewohnt ist, kann erfolgreich Synergien generieren und damit Wissen in andere Bereiche transferieren und ebenso davon profitieren.

Quelle: PISA Report
Lernen 4.0 + Arbeiten 4.0 = Zukunft 4.0

Digitales Lernen bietet viele Möglichkeiten
Lernen kann damit auch personalisiert werden und jeder kann seine Inhalte, sein Lerntempo und seine Ziele selbst bestimmen. Wie z.B. bei den Führerschein-Apps, mit denen Schüler autonom und erfolgreich arbeiten. Der Schüler und der Ausbilder sehen den Lernfortschritt, erkennen Defizite und die Prüfungsreife. Dabei werden defizitäre Bereiche durch die Software gesteuert wiederholt.

Auch für die Schulen sind oder können solche Lernplattformen ergänzende Methoden zum Unterricht sein. Kollaborative, agile Teamarbeit ist oder wird realisierbar, auch räumlich getrennt. Dies fördert zudem soziale Kompetenz und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Lehrer können solche Teams begleiten und Einzelnen oder auch der Gruppe gezielt Vorschläge zur Weiterentwicklung geben.

Was benötigen wir für unsere Zukunft?

Die neue agile Arbeitswelt benötigt mehr Freiräume für Schulen und Lehrer mit der Unterstützung von Experten. Es braucht eine systematische Förderung offener digitaler Lernmaterialien, und die Lehrenden brauchen Mut und die notwendigen Kompetenzen für den digitalen Wandel im Lehren und Lernen.

Die digitale Transformation in unserer Gesellschaft ist in vollem Gange, ob es bei WhatsApp, Facebook, Twitter und Co. ist oder aber auch im vernetzten Smart Home. Die Palette ist riesig.

Selbstverständlich muss auch eine digitale Kompetenz entwickelt werden, die Chancen und Risiken abwägt und Rechtssicherheit gewährt. Was geht, was nicht?

Wenn diese Transformation im Sinne von Lehren 4.0 nicht stattfindet, wird es kein Lernen 4.0 geben, und damit fehlt ein Element der Zukunft 4.0.

Eines sei für die Politik noch erwähnt: 90 Prozent aller Berufe erfordern künftig digitale Kompetenzen (Quelle: EU), aber 45 Prozent der Lehrer verzichten auf digitale Medien wegen mangelnder IT-Ausstattung (Quelle: ICILS). Hier rangieren wir im internationalen Vergleich auf den hinteren Plätzen, wie die Grafiken zeigen.

In der Zukunft werden die Entwicklungen noch rasanter vonstattengehen als bisher. Services, stark geprägt durch die Vernetzung und Digitalisierung, werden noch stärker in den Vordergrund treten. Aus- und Weiterbildung in Deutschland benötigt dazu noch eine Ressource, die Qualifizierung der Lehrer.

Dipl.-Ing. Claus Lau
Standortleiter,
Bosch Rexroth AG
Telefon: 06062 78415
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