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Unternehmerverband Südhessen e.V.

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Volljährig und zukunftsorientiert

Schulen für innovatives Handeln ausgezeichnet: Unternehmerverbände Südhessen ehren Preisträger des Innovationswettbewerbes 2016/17

15.03.2017

Darmstadt. Die Unternehmerverbände Südhessen verliehen am 15. März 2017 bereits zum 18. Mal die mit 6.500 Euro Gesamtwert dotierten Preise für den diesjährigen Innovationswettbewerb an südhessische Schulen. Unter dem Motto „Sprungbrett Schule – Wie Übergänge gelingen“ wurden die Preisträger durch die sechsköpfige Jury ermittelt. Ihr gehörten Vertreter von Schule, Hochschule, Unternehmen, Medien, Elternvertretung und hessischem Kultusministerium an. Die eingereichten Schulprojekte zeichneten sich durch eine starke Gemeinschaftsorientierung, motivierendes Engagement und Mut machende Praxiserfahrungen aus.

Die feierliche Preisverleihung fand im Rahmen der Jahresmitgliederversammlung des Unternehmerverbandes Südhessen in der Orangerie in Darmstadt statt. In seiner Laudatio dankte der neue Verbandsvorsitzende, Jürgen Streit, allen Beteiligten für die in den Projekten erkennbaren innovativen Ideen und Beispiele für gelingende Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung.

„Wir freuen uns, wenn Sie für das alltägliche Lehren und Lernen den einen oder anderen Impuls aus dem Wettbewerb aufgreifen und für den Unterricht oder ihre Schul- und Qualitätsentwicklung nutzen können. Davon profitieren ganz besonders Schülerinnen und Schüler, die auf Hilfe und Unterstützung beim Übergang zwischen den einzelnen Bildungsstufen und der späteren Integration in Ausbildung, Studium und Arbeit angewiesen sind“.

Investitionen in die Bildungsarbeit seien heute mehr denn je von Bedeutung. Ziel dieser Förderung müsse es sein „eigene Fähigkeiten zu erkennen und diese realistisch einzuschätzen. Dadurch werden Eigenverantwortung und Durchhaltevermögen nachhaltig gestärkt und wertvolle Weichenstellungen für den zukünftigen Berufsweg vollzogen. Nützlich ist dabei auch ein Blick auf die Arbeitswelt mit über 300 Ausbildungsberufen und dem neuen hessischen Karriereweg vom Azubi zum Studenten“, so Streit.

Zu den Preisträgern:

Mit dem  Projekt „Das Planckini-Labor“ erreichte die Max-Planck-Schule, Rüsselsheim, den ersten Platz. Der zweite Sieger wurde „Das Lebens-Orientierungs-Seminar (LOS)“ der Martin-Niemöller-Schule in Riedstadt. Platz drei ging an das Projekt „Studien- und Berufsorientierung in der Oberstufe“ von der Eleonorenschule in Darmstadt. Ein Sonderpreis vergab die Jury an die Heinrich-Emanuel-Merck Schule in Darmstadt für ihren Beitrag „Empowerment für junge geflüchtete Frauen in Schule“.

Zum Innovationswettbewerb für südhessische Schulen:

Seit dem Schuljahr 1999/2000 loben die Unternehmerverbände Südhessen den Innovationswettbewerb für südhessische Schulen aus. Bislang wurden über 260 schulische Projekte eingereicht und Preisgelder in Höhe von 106.000 Euro vergeben. Die Beiträge werden jedes Jahr in einer Dokumentation zusammengefasst und den drei Staatlichen Schulämtern sowie allen 316 südhessischen Schulen für die weitere pädagogische Arbeit zur Verfügung gestellt.

- Kurzbeschreibung der vier ausgezeichneten Projekte –


1.    Platz: „Planckini-Labor“
(Max-Planck-Schule, Rüsselsheim)


Etwa 1450 Schülerinnen und Schüler sowie ca. 100 Lehrkräfte lernen und lehren an der Max-Planck-Schule in Rüsselsheim. In der Tradition ihres Namensgebers legt das Gymnasium einen Schwerpunkt auf die Ausbildung in den MINT-Fächern (Mathematik, Naturwissenschaften, Technik, Informatik). Diese beinhaltet neben klassischem Unterricht weiterführende Lehrangebote wie Arbeitsgemeinschaften, überregionale Schülerwettbewerbe und Kooperationen mit Unternehmen, Verbänden und Universitäten. Das bereits seit 2009 existierende Programm „Planckini-Labor“ ist integrativer Bestandteil der MINT-Ausbildung dieser Schule.

Ziel des Programms ist es, Grundschüler/-innen aus der Region bereits vor ihrem Wechsel auf eine weiterführende Schule besser über den naturwissenschaftlichen Unterricht am Gymnasium zu informieren. Im Rahmen eines Praktikums sollen sie Einblick in die naturwissenschaftlichen Arbeitsweisen erhalten, selbst experimentieren, praktisch an den Themenkomplex herangeführt werden und schließlich für die Wahl eines Gymnasiums mit MINT-Schwerpunkt begeistert werden. Gleichzeitig sollen Oberstufenschüler/-innen, die im Projekt Tutorenrollen übernehmen, für die Didaktik der Naturwissenschaften gewonnen und geschult werden.

Das „Planckini-Labor“ findet das gesamte Schuljahr, jeweils für zwei bis drei Nachmittage, statt. Grundschüler der 3. und 4. Klasse erkunden naturwissenschaftliche Phänomene, indem sie selbst ein Problem formulieren, Hypothesen bilden, gemeinsam eine Lösungsstrategie entwickeln und im Rahmen eines Experiments diese gemeinsam überprüfen. Dabei werden sie von Oberstufenschülern aktiv unterstützt. Somit soll bereits eine spielerische Grundlage für das naturwissenschaftliche Arbeiten, Lernen und Lehren gelegt werden.

In Zeiten von Fachkräftemangel und der fundamentalen Bedeutung von Forschung und Entwicklung für den Wirtschaftsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb, bildet die MINT-Förderung einen wichtigen Faktor für die Sicherung von Wachstum und Entwicklung. Dabei kommt der schulischen Förderung bereits in den unteren Klassen eine Schlüsselrolle zu. Im Rahmen des „Planckini-Labor“  gelingt es sowohl Grundschüler für den Besuch einer MINT-Schwerpunkt-Schule zu begeistern, als auch Oberstufenschüler für das Studium eines MINT-Faches bzw. für ein Lehramtsstudium an einer Hochschule zu gewinnen.

2. Platz: „Das Lebens-Orientierungs-Seminar (LOS-Seminar)“ 
(Martin-Niemöller-Schule, Riedstadt)


Die MNS ist eine integrierte Gesamtschule ohne Oberstufe und wird derzeit von ca. 1000 Schülerinnen und Schülern besucht. Das Schulbild ist von Vielfalt und Heterogenität geprägt. Auch Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen die Schule. Die Schularbeit zielt darauf ab, alle Schüler individuell nach Leistungsfähigkeit, persönlichen Neigungen und Interessen bestmöglich zu unterrichten und zu einer anschließenden Berufsausbildung zu befähigen. An der Martin-Niemöller-Schule gibt es in jedem Schuljahr eine große Anzahl von Jugendlichen, bei denen das Bestehen des Hauptschulabschlusses gefährdet ist. Diese Zielgruppe soll durch das „LOS-Seminar“ besonders gefördert und unterstützt werden. Das Seminar bildet einen speziellen Baustein des Berufsorientierungskonzepts an der MNS.

Ziel dieses Projektes ist es, das Selbstvertrauen der Schülerinnen und Schüler in ihre eigenen Fähigkeiten und Begabungen zu stärken. Dabei sollen sie eigene Ziele formulieren und Ausdauer bzw. Durchhaltevermögen erlernen. Durch eine realistische Selbsteinschätzung  sollen sie die Möglichkeit bekommen, eine aussichtsreiche Zukunftsperspektive zu entwickeln und damit für ihren anstehenden qualifizierenden Schulabschluss motiviert werden.

Im Rahmen eines viertägigen Seminars in außerschulischer Umgebung werden die Schüler von der Schulsozialarbeit betreut. In diesem Umfeld durchlaufen sie ganz unterschiedliche Stationen: Ein simuliertes Verkaufsgespräch, interaktive Organisationsaufgaben, ein fiktives Bewerbungsgespräch, das gemeinsame Kochen eines Mittagessens, soziales Verhalten, das Halten eines Vortrages und Informationen über Berufsperspektiven bzw. den Besuch weiterführender beruflicher Schulen. Anschließend findet eine realistische Fremd- und Selbsteinschätzung mit Diskussion statt. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, außerhalb des Unterrichts speziell wahrgenommen zu werden und nach ihren individuellen Bedürfnissen besonders gefördert und angeleitet zu werden. Die Schüler erfahren in diesem Rahmen mehr über ihre persönlichen Stärken und Fähigkeiten, die sie anschließend für den anstehenden Schulabschluss und ihre Berufsausbildung aktiv nutzen und weiterentwickeln können.

Dem Fachkräftebedarf der Unternehmen und einer Vielzahl unbesetzter Lehrstellen steht die nach wie vor hohe Zahl an Schülern gegenüber, die ohne Abschluss die Schule verlassen. Dabei bleibt gesamtgesellschaftliches Potenzial ungenutzt. Das „LOS-Seminar“ der Martin-Niemöller-Schule bietet hier einen zukunftsweisenden Ansatz zur schulischen und außerschulischen Förderung von Schülern.

3.    Platz: „Studien- und Berufsorientierung in der Oberstufe (SBO)“
(Eleonorenschule, Darmstadt)


Als allgemeinbildendes Gymnasium wird die Eleonorenschule (ELO) in Darmstadt derzeit von ca. 950 Schüler/innen besucht. Ziel der Schule ist es, neben der Vorbereitung auf die Hochschulreife, soziales Lernen und die Selbstständigkeit ihrer Schüler zu fördern. Neben klassischem Unterricht in der gymnasialen Oberstufe, bildet seit dem Schuljahr 2010/11 eine zusätzliche mehrstufige „Studien- und Berufsorientierung“ einen für alle Oberstufenschüler obligatorischen Schwerpunkt in der Bildungsarbeit.

Ziel des Projektes ist es, den Übergang vom Schulleben an die Hochschule bzw. in die Berufsausbildung zu unterstützen und die Wahl eines Studienfaches zu erleichtern. Durch eine schulische Orientierungsphase soll die Wahl eines individuell geeigneten Ausbildungswegs ohne längere Pause erleichtert und die Abbruchquote signifikant verringert werden. Potenziale der Schüler sollen erkannt werden und diese dem Bildungs- und Arbeitsmarkt zugeführt werden. Das aus Steuermitteln finanzierte Bildungswesen soll gleichzeitig durch eine niedrigere Studienabbruchquote entlastet werden. Bereits während der Schulzeit soll ein Bezug zur praktischen Berufs- und Arbeitswelt hergestellt werden. Das Projekt besteht dabei aus vielfältigen Bausteinen:

Im Rahmen des Projektes erhalten die Schüler eine allgemeine Berufsorientierung in den Fächern Technik, Medizin, Naturwissenschaften, Soziales und Medien. Dabei findet eine Kooperation mit dem Berufsinformationszentrum (Bewerbungstraining), Institutionen der Wirtschaft und der TU Darmstadt statt. Die Jugendlichen recherchieren selbstständig zu den unterschiedlichsten Berufsfeldern und Studienmöglichkeiten. Dies findet auch durch den Besuch von Zukunftswerkstätten und Exkursionen in Lernlabore statt. Ein Berufsnavigator bietet die Möglichkeit zur Selbst- und Fremdeinschätzung der individuellen Begabungen an. Tutoren beraten die Schüler hinsichtlich ihrer Potenziale und Berufswünsche. Ergänzt werden die Angebote durch vertiefende Zusatzaktivitäten, wie das „MINT-Ostercamp“ des Arbeitskreises SchuleWirtschaft Südhessen und der TU Darmstadt. Auch Berufsorientierungs- und Beratungsangebote der Bundesagentur für Arbeit können ergänzend genutzt werden.

Eine von der TU Darmstadt durchgeführte Evaluation belegt, dass die beteiligten Schüler sich anschließend deutlich besser über Studienmöglichkeiten und Berufsperspektiven informiert fühlten. Mehr als drei Viertel aller Teilnehmer würde das Projekt anderen Schülern weiterempfehlen.

Mit dem Projekt SBO hat die Eleonorenschule ein attraktives Angebot in der Berufsorientierung entwickelt. Trotz Fachkräftemangel und offenen Ausbildungs- und Arbeitsplätzen fällt vielen Schüler-/innen der Wechsel vom Schul- ins Arbeitsleben nicht leicht.

Sonderpreis: „Empowerment für junge geflüchtete Frauen in Schule“
(Heinrich-Emanuel-Merck-Schule, Darmstadt)

Die Heinrich-Emanuel-Merck-Schule (HEMS) beteiligt sich seit März 2016 an der neu geschaffenen Schulform „Integration durch Anschluss und Abschluss (InteA)“ für junge Flüchtlinge. Von 80 geförderten jungen Menschen an der Schule sind 12 weiblich. Mit dem Projekt „Empowerment für junge geflüchtete Frauen in Schule“ geht die Schule besonders auf die Bedürfnisse junger Frauen ein und unterstützt aktiv deren Förderung.

Ziel des Projekts ist es, Begegnungsmöglichkeiten für junge geflüchtete Mädchen und Frauen jenseits männlich dominierter Klassenstrukturen zu schaffen. Dazu wurde eine Lerngruppe ausschließlich für geflüchtete weibliche Jugendliche eingerichtet. In einem geschützten Raum sollen sich diese mit einheimischen Frauen austauschen können, Freundschaften knüpfen, von wechselseitigem Lernen profitieren und einen Einblick in das Leben in Deutschland erhalten. Zukunftsperspektiven, Ausbildungs-/Berufswahl und gesellschaftliche Teilhabe für junge Frauen ist der Schwerpunkt des Projekts.

In der praktischen Umsetzung werden berufliche Möglichkeiten für junge Frauen aufgezeigt. Ein Ausflug zum Frauenzentrum und ein MINT-Workshop gehören ebenso dazu, wie die Selbsteinschätzung der persönlichen schulischen und beruflichen Fähigkeiten. Thematisiert werden auch Gewaltprävention für Frauen, physische und psychische Gesundheit, die Entwicklung von Zielen und Perspektiven sowie demokratische und soziale Bildung. In speziellen Sitzungen werden offene Fragen beantwortet und gegebenenfalls kulturelle Tabus und Vorurteile abgebaut.

Mit ihrem Projekt haben die Verantwortlichen an der HEMS ein aktuell vieldiskutiertes Gesellschaftsphänomen aktiv aufgegriffen. Das Ziel junge geflüchtete Frauen für ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland zu befähigen und in den Arbeitsmarkt zu integrieren wird mit diesem Projekt nachhaltig verfolgt und realisiert.

Überreichung der Innovationspreise bei der Jahresmitgliederversammlung des Unternehmerverbands Südhessen e.V.

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