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Herbst-Wirtschaftsumfrage 2015

Konjunkturentwicklung in der südhessischen Metall- und Elektroindustrie noch zufriedenstellend - Skepsis um weitere Entwicklung - Unsicherheiten über politischen Kurs wachsen

27.11.2015

Die diesjährige Herbst-Wirtschaftsumfrage wurde von Dr. Albrecht Hallbauer, Oliver Stein, Gottlieb Hupfer und Wolfgang Drechsler (v.l.) im Haus der Wirtschaft Südhessen vorgestellt.
Bild: Claus Völker

Zu hohe Lohnstückkosten, schwächelnde Auslandsnachfrage, milliardenschwere Leistungsausweitungen in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie geplante Neuregelung von Zeitarbeit und Werkverträgen sind Gift für die Investitionskultur.

Darmstadt. „Unsere Betriebe müssen derzeit drei große Herausforderungen bewältigen: die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt, die anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Belastungen in Deutschland und Europa sowie die Integration einer großen Zahl an Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt“, sagte Dr. Albrecht Hallbauer, Vorsitzender des Vorstandes der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen von HESSENMETALL, bei der Vorstellung der diesjährigen Herbst-Wirtschaftsumfrage am 27. November 2015 im „Haus der Wirtschaft Südhessen“ in Darmstadt.

Die seit 1989 jährlich durchgeführte Umfrage unter Geschäftsführern südhessischer Metall- und Elektrounternehmen erfasst die aktuelle Geschäfts- und Beschäftigungslage, fragt aber gleichzeitig auch nach den Erwartungen für das nächste Halbjahr.

In diesem Jahr beteiligten sich 65 von 123 südhessischen M+E-Unternehmen an der Umfrage (53 Prozent). Bei ihnen sind rund 27.600 Mitarbeiter tätig - und damit über 92 Prozent aller Beschäftigten in der südhessischen Metall- und Elektroindustrie.

Geschäftslage und -erwartungen

Die aktuelle Geschäftslage ist gut: Über 53 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als sehr gut oder gut, weitere 44 Prozent der Unternehmen sind zufrieden bzw. sehen zumindest keine Veränderungen im Vergleich zum Frühjahr. Nur rund drei Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre allgemeine Geschäftslage als schlecht. Für das kommende Halbjahr rechnet die Mehrzahl der Unternehmen (56 Prozent) weiterhin mit einer vergleichbaren Lage, ein Drittel (33 Prozent) sogar mit einer Verbesserung, allerdings auch 11 Prozent mit einer Verschlechterung.

Bei den Auftragsbeständen haben die meisten Unternehmen noch Luft nach oben: Nur 25 Prozent der Unternehmen haben derzeit einen verhältnismäßig großen Auftragsbestand. Knapp die Hälfte der Unternehmen empfinden ihre Auftragsbestände als ausreichend (48 Prozent). Mehr als ein Viertel hingegen sind unzufrieden (26 Prozent) mit ihren Auftragsbeständen. Im nächsten Halbjahr rechnen dafür 42 Prozent der Unternehmen mit mehr Aufträgen und immerhin 39 Prozent mit einer unveränderten Auftragslage.

Zur Ertragsentwicklung: Fast zwei Drittel der Unternehmen (63 Prozent) rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einem gleich bleibenden Ertrag, 22 Prozent mit einem steigenden Ertrag und nur 16 Prozent mit einem fallenden Ertrag.

Die Umsatzentwicklung ist gut: Mehr als die Hälfte der Unternehmen verzeichnen derzeit einen vergleichbaren Umsatz gegenüber dem Frühjahr (54 Prozent), 29 Prozent sogar mehr Umsatz.
Gut die Hälfte der Befragten (46 Prozent) erwarten auch im kommenden Halbjahr vergleichbare
Umsätze, 40 Prozent sogar mehr Umsatz und nur 14 Prozent rechnen mit einem Minus.

Zu den Investitionen: Rund 58 Prozent der Unternehmen investieren aktuell genauso viel wie im Frühjahr, 30 Prozent sogar mehr. Bei den Investitionen liegen derzeit Ersatzinvestitionen (39 Prozent) vor Rationalisierungsinvestitionen (24 Prozent) sowie der Qualifizierung von Mitarbeitern (20 Prozent).

Der Anteil der Auslandsinvestitionen an den Gesamtinvestitionen beläuft sich derzeit auf zehn Prozent. Investiert wird vor allem im Euroraum (43 Prozent) und in Asien (29 Prozent) sowie, mit großem Abstand auf Platz drei, in Nordamerika (14 Prozent).

Der Exportanteil der Unternehmen beträgt aktuell 38 Prozent. Die Länder des Euroraums liegen mit 47 Prozent klar vor Asien (21 Prozent), dem übrigen Europa (16 Prozent) und Nordamerika (12 Prozent). Für drei Viertel der Unternehmen (75 Prozent) ist der Exportwert im Vergleich zum Frühjahr unverändert, bei weiteren 14 Prozent ist er gestiegen. Auch künftig wird der Exportanteil bei den meisten eher gleich bleiben (64 Prozent), bei weiteren 23 Prozent allerdings auch steigen.

Beschäftigungslage und -erwartungen

Die Beschäftigtenzahlen stiegen im Vergleich zum Frühjahr um 1,7 Prozent (von 27.152 auf 27.617) und werden vermutlich in den nächsten Monaten um weitere 1,4 Prozent (auf dann insgesamt 28.017 Beschäftigte) steigen.

Vor allem in der Produktion (47 Prozent), im Vertrieb/ Marketing (20 Prozent) sowie in der Forschung und Entwicklung (16 Prozent) stiegen die Beschäftigtenzahlen in den vergangenen Monaten. Für das nächste Halbjahr rechnen die Unternehmen nicht nur in der Produktion (47 Prozent) sowie in der Forschung und Entwicklung (21 Prozent), sondern auch im Vertrieb/ Marketing und der Verwaltung (jeweils 14 Prozent) mit mehr Beschäftigten.

Von den 27.617 Beschäftigten sind 1.155 Beschäftigte (4,2 Prozent) Zeitarbeiter.

Aktuelle Frage 2015: Fachkräftebedarf und Integration von Flüchtlingen

Der Bedarf an Fachkräften - vom Auszubildenden bis hin zum Akademiker - bleibt stabil. Gerade bei Azubis und Fachkräften wird eine planmäßige Besetzung freier Stellen immer schwieriger. Hauptgrund ist neben der fehlenden Qualifikation der Bewerber auch die geringe Anzahl an Bewerbern.

Die wenigsten südhessischen M+E-Betriebe (nur sieben Prozent) haben bislang Flüchtlinge eingestellt. Allerdings planen rund ein Drittel der befragten Unternehmen (32 Prozent), Flüchtlinge einzustellen. Gesucht werden aktuell und auch in Zukunft vor allem Azubis und Fachkräfte in naturwissenschaftlich-technischen Berufen, weniger in kaufmännischen Berufen.

Als wichtigste Maßnahme für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sehen die Betriebe: sprachliche Voraussetzungen schaffen (39 Prozent), eine schnelle Erfassung von Qualifikationen von Flüchtlingen (24 Prozent) sowie eine frühzeitige Arbeitserlaubnis ermöglichen (16 Prozent).

Stimmen aus der südhessische Wirtschaft

„Die Industrie hat in Deutschland, im Vergleich zu vielen anderen Ländern, weiter einen großen Stellenwert. Produkte und Dienstleistungen „made in Germany“ sind weltweit gefragt. Aber nicht mehr Preis, Qualität und Service, sondern Schnelligkeit und Flexibilität sind heute geschäftsentscheidend“, sagte Gottlieb Hupfer, CEO der EnviroChemie GmbH in Roßdorf. Deshalb müssten die Unternehmen verstärkt an der Effizienz ihrer Wirtschaftsprozesse sowie an ihrer Zukunftsfähigkeit arbeiten. Gerade beim Thema „Industrie 4.0“ sieht Hupfer noch viel Innovationspotential für den Exportweltmeister Deutschland und seinen erfolgreichen Mittelstand. Benötigt würden gut qualifizierte Mitarbeiter und zusätzliche steuerliche Investitionsanreize.

„Ein attraktiver industrieller Entwicklungs- und Produktionsstandort wie Südhessen braucht nicht nur eine gute Verkehrsinfrastruktur und ein schnelles Internet, sondern auch verbesserte wirtschaftliche Rahmenbedingungen bei der Bildungs-, Integrations- und Arbeitsmarktpolitik“, betonte Oliver Stein, Geschäftsführer der Donges SteelTec GmbH in Darmstadt. Anstehende Herausforderungen wie die demografische und technologische Entwicklung dürften in einer globalisierten und digitalisierten Welt nicht ungelöst bleiben. Auch seien hohe  Energie- und Arbeitskosten Gift für Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit.

Dr. Albrecht Hallbauer, Vorsitzender des Vorstandes der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen von HESSENMETALL, bezeichnete die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung als größte gesellschaftspolitische Herausforderung seit der Wiedervereinigung. „Die Bereitschaft der südhessischen Unternehmen, Flüchtlinge zu unterstützen und in Arbeit zu bringen, ist groß“, so Hallbauer. Es bedürfe aber einer intensiven Sprachförderung, einer schnellen Erfassung ihrer bisherigen Qualifikationen sowie Rechtssicherheit über ihren Aufenthaltsstatus. Gerade für den erheblichen Anteil Geringqualifizierter unter den Zuwanderern müsse es zudem mehr Unterstützungsmaßnahmen geben. Keinesfalls dürften sie zusätzlich durch Einschränkungen bei der Zeitarbeit belastet werden.

Mit Blick auf die im Frühjahr 2016 anstehende Tarifrunde sagte Wolfgang Drechsler, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen von HESSENMETALL: „Die Arbeitskosten sind in Deutschland seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns deutlich gestiegen. Er stellt gerade für Flüchtlinge eine hohe Eintrittsbarriere dar. Angesichts der volatilen Wirtschaftsentwicklung, der steuerlichen Entlastung bei der kalten Progression, der geringen Produktivitätsentwicklung und der Bewältigung der Flüchtlingsströme sollten wir mit Augenmaß und Realismus in die anstehenden Verhandlungen gehen.“

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