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Herbst-Wirtschaftsumfrage 2014

Konjunkturelle Lage in der südhessischen M+E-Industrie eingetrübt

21.11.2014

(V.l.n.r. Wolfgang Drechsler, Rosemarie Karl, Dr. Albrecht Hallbauer, Gottlieb Hupfer)
Foto: Alexander Heimann

Licht und Schatten bei Aufträgen und Erträgen, das Auslandsgeschäft wird schwieriger, wirtschaftspolitische Wachstumsimpulse fehlen und die Tarifforderungen der IG-Metall gefährden die Wettbewerbsfähigkeit.

Darmstadt. „Das Herz der deutschen Wirtschaft, die M+E-Industrie, hat leichte Rhythmusstörungen. Es braucht Entlastung statt zusätzlicher Belastung, damit die Unternehmen wieder optimistisch in die Zukunft blicken können," sagte Dr. Albrecht Hallbauer, Vorsitzender des Vorstandes der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen von HESSENMETALL, bei der Vorstellung der diesjährigen Herbst-Wirtschaftsumfrage am 21. November 2014 im Haus der Wirtschaft Südhessen in Darmstadt.

Befragt wurden 125 südhessische Metall- und Elektrounternehmen nach der aktuellen Geschäfts- und Beschäftigungslage, den Umsätzen sowie ihren Erwartungen für die nächsten Monate.

Davon beteiligten sich 56 Unternehmen (rund 45 Prozent) an der Umfrage, die bereits seit den 1990er Jahren jährlich durchgeführt wird. In den teilnehmenden Mitgliedern sind mit mehr als 28.600 Mitarbeitern bereits über 95 Prozent aller Beschäftigten tätig.

Allgemeine Geschäftslage und –erwartungen: Kein einheitliches Stimmungsbild

Von den befragten Unternehmen beurteilen 53 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage als positiv. Im Vorjahr waren es noch etwas mehr (56 Prozent). Als befriedigend schätzen immerhin noch 36 Prozent ihre Geschäftslage ein und als schlecht inzwischen 11 Prozent (Vorjahr: 8 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) erwarten auch im kommenden Halbjahr vergleichbare Zahlen, vor allem in Bezug auf den Umsatz. Allerdings rechnet auch rund ein Viertel der Unternehmen (24 Prozent) mit einer Verschlechterung der allgemeinen Geschäftslage sowie des Umsatzes.

Die Auftragsbestände sind bei 62 Prozent der Unternehmen ausreichend und bei jedem Vierten noch verhältnismäßig groß. In diesem Zusammenhang prognostizieren 64 Prozent aller Befragten gleichbleibende Erträge bis zum Frühjahr 2015, während 25 Prozent fallende Erträge befürchten.

Die Investitionsschwerpunkte liegen aktuell bei Ersatzinvestitionen (36 Prozent) und der Qualifizierung der Mitarbeiter (19 Prozent). Im Frühjahr 2015 werden sie sich vermutlich etwas zugunsten von Mitarbeiterqualifikation und Rationalisierungsmaßnahmen (von 18 auf dann 21 Prozent) verschieben, was auch mit den Umwälzungen rund um „Industrie 4.0“ zu tun hat.

Der Exportanteil ist gegenüber dem Vorjahr um einen Prozentpunkt gefallen (von 38 auf 37 Prozent). Spitzenreiter sind die Länder der Eurozone (54 Prozent) vor Asien (23 Prozent) und Nordamerika (11 Prozent).

Beschäftigungslage und –erwartungen weiter stabil

Die Beschäftigtenzahlen stiegen im Vergleich zum Frühjahr um 0,6 Prozent (164) auf 28.682.
Auch die Zahl der Zeitarbeiter nahm leicht zu (um 4 Prozent auf 1.010).

Stimmen aus der südhessischen M+E-Industrie

„Wahrscheinlich wird es in Südhessen im nächsten Jahr nur ein geringes oder gar Nullwachstum geben. Umso wichtiger ist es, dass wir die Wachstumskräfte stärken, alle Fachkräftepotentiale heben und die Anreize für Investitionen erhöhen, um uns weltweit als innovativer und zugleich lebenswerter Technologiestandort mit Zukunft zu positionieren. Ein langfristiges Thema ist dabei auch die Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft“, sagte Gottlieb Hupfer, CEO der EnviroChemie GmbH in Roßdorf.

Wie wichtig trotz zunehmender Unsicherheiten, steigender Preise und Lohnkosten die Mitarbeiter für die Unternehmen sind, unterstrich Rosemarie Karl, Geschäftsführerin der Karl Elektronikbau GmbH aus Reichelsheim. „Auf die Wettbewerbsfähigkeit und Leistungen unseres Betriebes bin ich stolz. Wir konnten kontinuierlich wachsen. Mehr Aufträge, mehr Mitarbeiter, mehr Auszubildende und regelmäßige Fortbildungen sind die Basis für unseren Erfolg", sagte Karl. Sie ergänzte: „Auf den Rückgang der Schulabgängerzahlen haben wir mit der Einstellung auch schwächerer Bewerber reagiert und sehr positive Erfahrungen gesammelt."

„Wir dürfen die Zukunft der deutschen Industrie nicht verspielen“, mahnte Dr. Albrecht Hallbauer, Vorsitzender des Vorstandes der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen von HESSENMETALL. Während sich andere europäische Länder intensiv um ihre Re-Industrialisierung bemühen, würde die Wirtschaft hierzulande durch sozialpolitische Wohltaten wie abschlagsfreie Mütterrente und Rente mit 63 sowie Mindestlohn und hohe Energiepreise geschwächt. Außerdem fehlten Investitionen für Sanierung und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.

Mit Blick auf die kommende Tarifrunde in der deutschen M+E-Industrie sagte Wolfgang Drechsler, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen von HESSENMETALL: „Tarifforderungen von fünf und mehr Prozent passen nicht in das aktuelle Stimmungsbild, zumal das Kostenniveau in Deutschland ohnehin schon höher ist als in vielen anderen Ländern der Welt, wie beispielsweise China, dem inzwischen größten Player in der Metall- und Elektroindustrie. Wir können den Produktivitätsfortschritt nur einmal verteilen und sollten mit Blick auf Demografie und Fachkräftebedarf intelligente und zukunftsweisende Lösungen zur Fortführung der Altersteilzeit finden. Der erfolgreiche Weg der Lohnzurückhaltung, der moderaten Abschlüsse sollte fortgesetzt werden, denn er hat zur Stärkung der Industrie und zum Aufbau von Beschäftigung auch in Südhessen beigetragen."

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